Peschel-Gutzeit: „Seit 100 Jahren im Dauerkampf“
„Viele starke Frauen haben die Geschichte der AWO geprägt und prägen sie auch heute noch“, sagt AWO-Landesvorsitzender Wolfgang Baasch. Der Abend ist dem Thema Frauenrechte gewidmet, die ehemalige Hamburger und Berliner Justizsenatorin und Frauenrechtlerin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit hält einen Vortrag, „der den Bogen spannt von der Einführung des Frauenwahlrechts bis heute“. Es sei viel erreicht, doch Frauen befänden sich „seit über 100 Jahren im Dauerkampf“, so Peschel-Gutzeit, die jedoch über all die Widerstände von Seiten der Männer nie den Humor verloren hat. „Zur Gleichberechtigung fehlt es aber noch an allen Ecken und Kanten“, sagt sie, „zu wenig Frauen in Führungspositionen, keine paritätisch besetzten Parlamente sind da nur zwei von vielen Ursachen.“

Marie Juchacz: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll verknüpfen
Die AWO wurde 1919 als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“ von Marie Juchacz gegründet. Sie versuchte durch die Organisation von Nähstuben, Mittagstischen, Werkstätten und Beratungsstellen die Not der Menschen nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern. Juchacz wollte soziale Ungerechtigkeiten ausgleichen, um Teilhabe zu ermöglichen. Sie mahnte, „immer wieder zurückzuschauen, die Gegenwart an der Vergangenheit zu prüfen und sich an dem, was daran gut war, neu zu orientieren.“

Als Marie Juchacz begann, sich für politische Fragen zu interessieren, war Frauen die Mitgliedschaft in einer Partei verboten. Man traf sich in sogenannten Frauenbildungsvereinen. Kaum wurde das Verbot aufgehoben, trat die Brandenburgerin in die SPD ein und setzte sich für das Frauenwahlrecht ein. War dieses durchgesetzt, sprach sie 1919 als erste weibliche Abgeordnete vor dem deutschen Parlament. „Der Kampf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft ist Teil der Geschichte der AWO“, sagt Michael Selck. „Seitdem hat die Frauenbewegung weltweit viel verändert, dennoch sind die Forderungen nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben für viele Frauen auch heute noch nicht selbstverständlich.“