In den eigenen vier Wänden gut versorgt alt werden

In Schleswig-Holstein leben fast 90.000 pflegebedürftige Menschen. Davon werden weit mehr als die Hälfte zu Hause, fast 40 Prozent stationär in Pflegeeinrichtungen versorgt. In den nächsten zehn Jahren soll ihre Zahl um 40 Prozent steigen, bis zum Jahr 2060 wird bundesweit mit rund 9 Millionen über 80-Jährigen gerechnet – doppelt so viel wie heute. Die Mehrheit (70 Prozent) der vom ZQP befragten Bürger*innen möchte zuhause gepflegt werden, fast jeder Zweite (47 Prozent) durch einen Versorgungsmix aus familiärer und professioneller Pflege. Doch der demografische Wandel wird eine rein familiäre Pflege in Zukunft nicht mehr gewährleisten können. Und fast die Hälfte aller Befragten mit persönlicher Erfahrung (47 Prozent) schätzt die Pflegequalität in Deutschland als weniger gut ein, zwölf Prozent beurteilen sie als schlecht. „Unsere Servicehäuser, in denen wir unseren Mieter*innen versprechen, dass sie in den eigenen Wohnungen alt und pflegebedürftig werden können, haben bereits vor 30 Jahren die Antworten auf diese Fragen gegeben“, so Selck.
 
Pflege für Mitarbeiter*innen und Pflegende attraktiver machen

„Die AWO leistet erstklassige Pflege mit einem modernen und an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Konzept“, so Uwe Braun, Leiter des Unternehmensbereich Pflege der AWO Schleswig-Holstein. „Doch wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter*innen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass sich alte Menschen unsere Versorgung auch in Zukunft leisten können.“
 
Der Fachkräftemangel ist bereits seit Jahren evident, ein neuer Personalschlüssel müsse den Fachkräften mehr Zeit für die Pflege geben. Gut zwei Drittel der vom ZQP Befragten (68 Prozent) sage, dass vorrangig mehr Zeit für persönliche Zuwendung und Kommunikation zur Verfügung stehen sollte. Darin sehen sie sogar den dringendsten Verbesserungsbedarf im Rahmen der professionellen Pflege. Für eine Pflege, die sich der Versorgungssicherheit der pflegebedürftigen Menschen, der Menschenwürde und hohen Qualitätsstandards verpflichtet fühlt, braucht es verlässliche sozialpolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. „Soziale Arbeit wird zunehmend schwieriger“, sagt Braun, „mit Einführung der Pflegeversicherung wurden marktorientierte Elemente eingeführt und der Wettbewerb gefördert, doch das gewünschte Ergebnis, durch mehr Wettbewerb effektivere soziale Arbeit zu gewährleisten und alte Strukturen auf Seiten der Einrichtungen aufzubrechen, hat eine besorgniserregende Spirale in Gang gesetzt.“ Michael Selck: „Wir fordern seit Jahren, dass ein gesetzlich abgesicherter allgemeinverbindlicher Branchentarifvertrag Soziales zustande kommt.“