Subsidiärer Schutz ist mit deutschen Grundrechten nicht vereinbar
In Deutschland lebende Geflüchtete verfolgen die Nachrichten aus ihrer Heimat mit großem Interesse. Ihre engsten Angehörigen leben noch in den umkämpften Gebieten oder sind unter unmenschlichen Bedingungen auf der Balkanroute interniert. Omran könnte ein Kind eines Vaters in Schleswig-Holstein sein. Aber nicht nur der Krieg entzweit Familien. Die Einheit der Familien - ein deutsches Grundrecht - wird bewusst von der deutschen und europäischen Asylpolitik aufs Spiel gesetzt. So ist die Anerkennungsquote als Flüchtling für Syrer gesunken, obwohl sich nichts an der politischen Situation in Syrien oder den Fluchtgründen verändert hat. Stattdessen wird vermehrt der Status subsidiärer Schutz vergeben, der den Aufenthalt auf ein Jahr beschränkt und einen Familiennachzug praktisch unmöglich macht: Während 2015 0,1 Prozent der Asylanträge mit dem Status subsidiärer Schutz entschieden wurden, sind es im ersten Quartal 2016 bereits 4,2 Prozent, Tendenz steigend. „Diese Asylpolitik opfert unsere Grundrechte einer nationalstaatlichen Bürokratie“, erklärt AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck, „bei aller Bedarfsplanung muss Raum für Menschlichkeit bleiben.“ Der extreme psychische Druck, der auf die hier lebenden Angehörigen aufgebaut würde, sei ein großes Integrationshemmnis. Wer mit den Gedanken immer in Aleppo sei, hätte keine Energie für Sprachkursangebote und Praktika. Diesen Druck erleben wir in den Unterkünften, die von AWO Interkulturell betreut werden.

Traumatisierte Kinder brauchen professionelle Betreuung
Besonders betroffen von einer erschwerten Familienzusammenführung sind unbegleitete Kinder und Jugendliche. „Kinder und junge Menschen, die als minderjährige unbegleitete Geflüchtete nach Deutschland kommen, haben nicht nur ihre Heimat verloren, sondern auch ihre Familie, ihre Hoffnungen und Träume“, sagt der AWO-Geschäftsführer. Diese Kinder brauchen professionelle Unterstützung, um die traumatischen Erfahrungen, die sie auf der Flucht und in den Krisenregionen gemacht haben, zu verarbeiten. Mit dem Projekt Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Geflüchtete möchte die AWO Schleswig-Holstein diesen Kindern und Jugendlichen einen Weg in ihre Zukunft ebnen. Das Projekt in Kooperation mit dem Jugendamt Neumünster ist diese Woche mit zehn Personen gestartet.