Mitgliederbutton 28 10 2013 bearbeitet-1

AWO kritisiert Entwurf des Bildungsministeriums Schleswig-Holstein zur Neufassung der Landesverordnung über sonderpädagogische Förderung 

Kiel. Laut Medienberichten sieht der Entwurf des Bildungsministeriums für eine Neufassung der Landesverordnung über sonderpädagogische Förderung bisher vor, dass sogenannte „Systemsprenger“ von der Regelschule an ein Förderzentrum übergeben werden. Die AWO Schleswig-Holstein sieht dieses Vorgehen kritisch. „Inklusion nur da möglich zu machen, wo sie unkompliziert möglich ist, widerspricht dem Grundgedanken der Inklusion. Probleme werden nicht gelöst, indem man sie abschiebt. Zudem trifft der Begriff ‚Systemsprenger‘ auf die wenigsten dieser Kinder zu. Nicht alle Kinder mit herausforderndem Verhalten sind gleich ‚Systemsprenger‘. Wir brauchen hier eine anständige Diagnostik und keine Pauschalisierung“, sagt Michael Selck, Vorstandsvorsitzender der AWO Schleswig-Holstein.

Dürfen Problemlagen nicht miteinander vermischen

Die pädagogische Erfahrung der AWO Jugend- und Familienhilfe zeigt, dass wirkliche „Systemsprenger“ eher selten in die Schule gehen, wenn überhaupt. Sie sind meist schwer traumatisiert, leben zum Teil auf der Straße und haben oftmals massive Gewalterfahrungen durchlebt. „Jetzt zu versuchen, alle verhaltensauffälligen Kinder zu ‚Systemsprengern‘ zu stigmatisieren, ist ein Rückschritt und geht am eigentlichen Problem in den Schulen vorbei. Wir dürfen diese beiden Problemlagen nicht miteinander vermischen und müssen uns gerade bei wirklichen ‚Systemsprengern‘, die meist schon alle Angebote der Jugendhilfe durchlaufen haben, fragen, ob sie das System sprengen oder vom System gesprengte Kinder und Jugendliche sind und wie wir sie viel früher mit passenden Angeboten aus diesem Kreislauf herausholen können“, betont Dirk Behrens, Geschäftsführer der AWO Schleswig-Holstein.

Wie es weiter in den Medienberichten heißt, sollen die Kinder mit besonders herausforderndem Verhalten nach dem Entwurf des Ministeriums in den Förderzentren intensiv-pädagogische Maßnahmen bekommen, um sozial-emotionale Entwicklungsdefizite in den Griff zu bekommen. „Uns ist sehr bewusst, dass es vereinzelt Kinder gibt, die einen Unterricht im Regelbetrieb nur schwer möglich bis unmöglich machen. Es wird aber immer Kinder und Jugendliche mit besonders herausforderndem Verhalten geben. Hierfür brauchen wir langfristige Lösungen, wie eine Ausweitung der Kinder- und Jugendtherapeuten, mehr Fachkräfte in den Schulen und bessere Unterstützungsangebote für Familien, die weit vor der Einschulung ansetzen. Der Fokus muss auch auf dem Elternhaus liegen. Schule ist nur ein Teil des Lebensumfeldes dieser Kinder und Jugendlichen“, sagt Behrens.

 

Hier setzt das kooperative Schultraining der AWO Schleswig-Holstein an, welches Kinder und Eltern dazu befähigen soll, den Schulalltag mit regelmäßigem Schulbesuch, wahrnehmen der Pflichten und dem achten grundlegender Regeln des Miteinanders wieder alleine zu bewältigen. Der Weg dorthin erfolgt über verschiedene Stufen der Betreuungsintensität und wird von einem multiprofessionellen Team aus sozialpädagogischen Fachkräften sowie Lehrkräften der zuständigen Partnerschulen und des regionalen Förderzentrums begleitet.  

Über die AWO Jugend- und Familienhilfe

Die AWO Jugend- und Familienhilfe unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in Schleswig-Holstein auf vielen Ebenen. In 65 Einrichtungen in 17 Städten und Gemeinden versorgen und unterstützen 530 Kolleginnen und Kollegen der Kinder- und Familienhilfe der AWO Schleswig-Holstein Kinder in Not, Familien in schwierigen Lebenssituationen, alleinerziehende Mütter oder Väter und Kinder und Jugendliche ohne ein Zuhause. Dazu zählen die Betreuung in 13 Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, 12 Tagesgruppen für Kinder, eine Inobhutnahme/Pflegekinderhilfe, die sozialpädagogische Familienhilfe, zwei Mutter-Kind-Einrichtungen, ein Frauenhaus, Integrationshilfen, Schulbegleitung sowie kooperative Schultrainings, elf offene Ganztagsschulen, Schulsozialarbeiter*innen, Krisenintervention/Beratung/Prävention durch das Kinderschutz-Zentrum Lübeck und 2 Frühe Hilfen Beratungsstellen, soziale Gruppen an Schulen und das Projekt HüTN „Hilfen über Tag und Nacht“ in Heide.

Kontakt Kooperatives Schultraining

Jörg Matthews (Regionalleiter AWO Jugend- und Familienhilfe Süd-West)

Tel:  +49 4122 90 38 12

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