Mitgliederbutton 28 10 2013 bearbeitet-1

Zum 100. Jubiläum der AWO – Politiker*innen und Expert*innen diskutieren im Kieler Landtag über Chancen und Herausforderungen von Zuwanderung und Migration

Kiel. „Deutschland ist kein Einwanderungsland“, das war lange Zeit ein Wahlkampfslogan in der Bundesrepublik. Auch heute noch versteht sich die Bundesregierung, trotz jahrzehntelanger Zuwanderung, nicht als Einwanderungsland. Die Aufnahme von Zugewanderten und Geflüchteten wird über eine Vielzahl verschiedener, überwiegend restriktiver Regelungen gesteuert. Für viele Menschen führt der einzige Weg über das Asylverfahren.

 Fachtag1 klein  Fachtagung Gespraechsrunde mit SPD Landesvorsitzender Serpil Midyatli
 Fachtag  Fachtagung Gesprächsrunde mit SPD Landesvorsitzender Serpil Midyatli
Fachtag Dr Mark Terkessidis  Fachtag Dr Roland Bank vom UNHCR  Fachtag Wolfgang Baasch 
 Fachtag Dr Mark Terkessidis  Fachtag Dr Roland Bank vom UNHCR  Fachtag Wolfgang Baasch



AWO unterstützt Geflüchtete und Zuwandrer seit dem Jahr 1945

Die Arbeiterwohlfahrt wurde vor 100 Jahren gegründet und ist in Schleswig-Holstein seit dem Jahr 1945 in der Unterstützung von Geflüchteten und Zugewanderten aktiv. Ihr Jubiläum nutzt die AWO Schleswig-Holstein am Freitag, um im Rahmen des Fachtages „Loslassen? (R)einlassen? Zulassen!“ im Kieler Landtag mit Experten*innen und Politiker*innen über das Thema Flucht und Integration zu diskutieren. Im Zentrum der Tagung stehen weltweite Fluchtursachen, die aktuelle Situation von Zugewanderten und Geflüchteten in Schleswig-Holstein und die Herausforderungen einer modernen Einwanderungsgesellschaft. Rund 170 Gäste hatten sich im Vorfeld zu der Veranstaltung angemeldet. Eine Ausstellung vor Ort führt zusätzlich durch die Geschichte der Migrationsarbeit der AWO in Schleswig-Holstein.

„Seit nahezu 50 Jahren steht die Migrationssozialarbeit immer wieder vor der Herausforderung, sich den laufenden Veränderungen in der Gesellschaft und der Politik anpassen zu müssen“, sagt der AWO Landesvorsitzende Wolfgang Baasch am Freitag. Als Einrichtung des Landesverbands koordiniert und steuert heute AWO Interkulturell die Migrationsarbeit der AWO in Schleswig-Holstein und ergänzt das Beratungsangebot um die Betreuung Geflüchteter, Unterstützung ehrenamtlichen Engagements, das Angebot zertifizierter Deutschkurse sowie um Maßnahmen zur Demokratieförderung, gegen Rechtsextremismus und Rassismus sowie zur Partizipation von Zugewanderten. Zurzeit arbeiten 210 Mitarbeitende an 32 Standorten in 11 Kreisen in Schleswig-Holstein.

„Immer mehr Menschen müssen weltweit fliehen“

Der schleswig-holsteinische Innenstaatssekretär Torsten Geerdts lobte das Engagement der AWO in seinem Grußwort: „Statt sich selbst und das 100-jährige Jubiläum zu feiern, geht es der AWO heute in Form einer Fachtagung um andere Menschen. Um ernste Themen, wie Flucht, Integration und Einwanderung. Und das ist das, was die AWO auszeichnet: Sie kümmert sich um das Wohl anderer. Ein bewusstes Zeichen setzen wir als Landesregierung in dieser Beziehung mit dem Landesaufnahmeprogramm. Wir werden insgesamt 500 besonders schutzbedürftige Menschen in unser Land holen und für sie eine Perspektive schaffen. Und auch bei diesem wichtigen Projekt ist die AWO mit dabei. Ich wünsche der Arbeiterwohlfahrt weiter viel Kraft für den Einsatz für andere. Wir als Land packen gerne mit an.“

Für die Fachvorträge konnte die AWO Dr. Roland Bank, Leiter der Rechtsabteilung vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), und den Migrationsforscher und Publizist Dr. Mark Terkessidis gewinnen. Dr. Roland Bank gibt einen Überblick über die weltweiten Fluchtbewegungen und –ursachen und den Schutz von Geflüchteten. „Immer mehr Menschen müssen weltweit fliehen und sie zu schützen wird zunehmend schwieriger. Umso wichtiger ist, dass Deutschland und Europa Verantwortung übernehmen – nicht nur mit Geld und politischer Unterstützung im Ausland, sondern auch durch aktiven Flüchtlingsschutz hierzulande. Asyl in Europa muss weiter zugänglich sein. Und es sollte mehr investiert werden, um Menschen aus prekären Situationen in Erstaufnahmeländern herauszuholen“, sagt Dr. Roland Bank.

Loslassen? (R)einlassen? Zulassen!

Einen Überblick zur Situation in Schleswig-Holstein geben Stefan Schmidt, Beauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein per Telefoninterview und Michael Treiber, Leiter von AWO Interkulturell. „Loslassen müssen nicht nur die Menschen, die zu uns kommen, sondern auch diejenigen, die hier leben! (R)einlassen ist längst keine Frage mehr von heutigen oder künftigen Entscheidungen, „Vielheit“ hat „Einheit“ schon lange abgelöst, wir sollten uns auf sie einlassen! Zulassen sollten wir Widersprüche, Schwierigkeiten und Herausforderungen, die Zuwanderung mit sich bringt – erst dann können wir sie konstruktiv gestalten“, fordert Treiber.

Doch wie wird ein Land wie Deutschland zum Einwanderungsland und welche Herausforderungen gibt es für eine gelungene Einwanderungsgesellschaft? Damit beschäftigt sich der Migrationsforscher und Autor Dr. Mark Terkessidis in seinem Vortag und erklärt die Idee des Vielheitsplans. Er setzt auf Optimismus und Ausdauer: „Das Problem ist nicht die Nostalgie eines Teils der Bevölkerung, sondern die Schwäche der progressiven Visionen. Veränderung braucht Optimismus und einen langen Atem. Und die Bereitschaft zum Streit. Niemand hat gesagt, die Gesellschaft der Vielheit sei eine gemütliche Angelegenheit.“

Gäste kommen ins Gespräch mit Experten*innen und Politiker*innen

Im Anschluss an seinen Vortrag diskutierten die Gäste in der Gesprächsrunde „Auf einen Kaffee mit…“ an mehreren Tischen mit den Referenten, der SPD-Landesvorsitzenden Serpil Midyatli und Norbert Scharbach, Abteilungsleiter im Innenministerium Schleswig-Holstein, über die Themen Flucht und Integration. Für die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli steht dabei fest „Nach dem Vorbild von Kiel, Lübeck, Flensburg oder Sylt wünschen wir uns, dass noch mehr Kommunen zu Sicheren Häfen für Geflüchtete werden. Das Sterben im Mittelmeer muss ein Ende haben.“

Moderator Carsten Kock fasst schließlich die Ergebnisse der Diskussion zusammen. Am Ende steht für den AWO Vorsitzenden Wolfgang Baasch fest: „Dieser Tag hat einen sehr guten Einblick in das Thema Flucht und Integration gegeben und gezeigt, wie wichtig der Austausch der einzelnen Akteure ist. Die AWO engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für Geflüchtete und Zugewanderte und wird es auch in den kommenden Jahrzehnten weiter tun.

 

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