Mitgliederbutton 28 10 2013 bearbeitet-1

Feierliche Übergabe in der AWO Kindertagesstätte
 
Hohenlockstedt. Gibt es Pommes oder Salat zum Mittagessen? Sollen die Eltern beim Ausflug dabei sein? Und welches Spielzeug wollen wir haben? Bei solchen Fragen entscheiden die Kinder in der AWO Kindertagesstätte Hohenlockstedt mit. Im Rahmen des bundesweit einmaligen Partizipationsprojekts der AWO Schleswig-Holstein wurde die Kita als Demokratie-Kita zertifiziert.
 
Insgesamt ist es bereits die elfte AWO-Kindertagesstätte in Schleswig-Holstein, die ein solches Zertifikat vom Institut für Partizipation und Bildung erhält – im Kreis Steinburg ist es die erste. Der AWO Landesvorsitzende Wolfgang Baasch eröffnete am Mittwoch gemeinsam mit Helen Tesch, der Leiterin der Einrichtung, die feierliche Zertifikatsübergabe in den Räumlichkeiten in der Memeler Straße. Der Kindertagesstätte eröffnete am 1. Oktober 1996 als klassischer Kindergarten zum ersten Mal ihre Türen und betreut heute 82 Kinder im Alter von 0 bis sechs Jahren insgesamt 10,25 Stunden täglich.

Gruppenfoto1 klein

v.l.: Hohenlockstedts Bürgermeister Wolfgang Wein, Kita-Leiterin Helen Tesch, AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck, SPD-Landtagsabgeordnete Birgit Heidejürgen, Klaus Meeder vom Sozialministerium und der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Klein mit dem Schild für die Demokratie-Kita vor der Kindertagesstätte in Hohenlockstedt.



„Das Beste, was uns als Gesellschaft passieren kann“

„Partizipation und Teilhabegerechtigkeit sind Markenzeichen der AWO - es war somit ein konsequenter und in sich logischer Schritt, dass wir bundesweit der erste Träger sind, der alle seine Kitas zertifizieren lässt. Damit leistet die AWO ihren Beitrag, Demokratie, Teilhabe und Chancengleichheit bereits den Jüngsten weiterzugeben und zu vermitteln. Schließlich wollen wir starke und mündige Kinder. Das ist das Beste, was uns als Gesellschaft passieren kann“, sagt der AWO Landesvorsitzende Wolfgang Baasch.
 
Auf dem Weg einer Verankerung von Demokratie im pädagogischen Alltag lernen Mitarbeiter*innen der Demokratie-Kitas, wie man Kinder beispielsweise bei der Raumgestaltung oder bei der Planung eines Sommerfestes beteiligen kann. Um diese Rechte von Kindern auch nachhaltig zu sichern, erarbeiten die Teams eine Kita-Verfassung, in der sie Kinderrechte und Gremien, die es in dieser Kita geben soll, konkret festschreiben. Außerdem gibt es einen Kita-Rat, in dem sich die in den Rat gewählten Kita-Kinder über aktuelle Anliegen austauschen, beraten und abstimmen (z. B. aktuelle Ausflüge, Sommerfeste, Gestaltung der Kita, neues Spielzeug uvm.).
 
Nutella nur am Dienstag?

Dabei können Beschlüsse auch manchmal länger dauern. Die erste wichtige Entscheidung des Kita-Rates gab es zu der Frage: Warum gibt es nur dienstags Nutella im Buffet? Es folgten wochenlange Diskussionen in den Gruppen-Räten und innerhalb des pädagogischen Teams. Die Mitarbeiter erklärten, sie möchten, dass die Kinder Gesundes frühstücken. Und die Kinder versprachen, dass sie immer erst etwas Gesundes essen wollen, danach aber auch ein Stück Brot mit Nutella. Die Argumentation und das Versprechen der Kinder waren so ernst gemeint, dass noch heute alle Kinder wie Erwachsene darauf achten, dass erst etwas Gesundes gegessen wird bevor es eine Schokostulle gibt.
 
„Die Kinder merken, dass sie durch den Kita-Rat etwas bestimmen und bewirken können. Demokratie heißt aber auch, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen“, sagt Einrichtungsleiterin Helen Tesch. Aber auch bei den Eltern der Kinder ist das Interesse am Kita-Rat groß, weiß die Kita-Leiterin: „Viele Eltern informieren sich regelmäßig über das Kita-Rat-Protokoll an der Flur-Wand. Die Auswirkung der Entscheidungen bekommen sie dann oft mit, wenn die Kinder entschieden haben, welche Kuchen Mama für das nächste Fest backen soll.“
 
Bei der Überreichung des Zertifikats unterstreicht Klaus Meeder vom schleswig-holsteinischen Sozialministerium: „Schleswig-Holstein gilt in Sachen Beteiligung bundesweit als Vorreiter. Die Demokratie-Kitas der AWO Schleswig-Holstein übernehmen dabei eine wichtige Rolle.“
 
Weitere Demokratie-Kitas folgen

Ausgangspunkt für die „Demokratie-Kita“ sind die hohen Qualitätsstandards für die Beteiligung von Kindern in Kindertagesstätten, die auf der Grundlage der Gesetzgebung (u.a. UN-Kinderrechtskonvention, Kinder- und Jugendhilfegesetz) vom Institut für Partizipation und Bildung (Kiel) im Rahmen des Konzeptes „Die Kinderstube der Demokratie“ in Schleswig-Holstein entwickelt wurden. Um das Konzept in die Breite der Kindertagesstätten zu bringen, wurden seit 2006 pädagogische Fachkräfte als Multiplikator*innen für Partizipation in Kitas ausgebildet. Nur so konnte das Verfahren innerhalb eines großen Trägers auch eingeführt werden. Die partizipative Ausrichtung, wie sie in den Kitas der AWO praktiziert wird, beschreibt das Verhältnis zwischen Kindern und Fachkräften neu, ohne dabei die Profile der Kitas wie Bewegungskindergarten oder Sprach-Kitas in Frage zu stellen.
 
Mit der Zertifizierung leistet die AWO auch einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Kinderschutzes in Schleswig-Holsteinischen Kitas, denn der Gesetzgeber erwartet seit 2012 Beteiligung und Beschwerderechte in den Kitas für alle Kinder verbindlich zu verankern. Zertifizierte „Demokratie-Kitas“ gibt es von der AWO Schleswig-Holstein bisher in Pinneberg, Bovenau, Lübeck, Wentorf, Uetersen, Husum, Neumünster, Lauenburg, Lensahn und Halstenbek. Bis 2020 werden alle Kindertagesstätten der AWO Schleswig-Holstein als Demokratie-Kita nach dem Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“ des Instituts für Partizipation und Bildung in Kiel (IPB) anerkannt sein.

Arbeiterwohlfahrt
Kreisverband Pinneberg e.V.
Verbandsbüro
Peterstraße 9
25335 Elmshorn

Wir sind von Montag bis
Donnerstag
in der Zeit
von 08.00 bis 15.00 Uhr

oder nach Vereinbarung für Sie da.

Fon: 04121 266 0 888
Fax: 04121 266 0 886
Mail: info@awo-kreisverband-pinneberg.de


Hans-Jürgen Damm
Kreisvorsitzender
Mobil: 0171 36 29 973